Ein Erlebnisbericht

Der Schutzstation Wattenmeer-Beauftragte Florian Schleusener beim Krabbenfischen

Krabbenfischen mit der Gliep – unterwegs mit der Schutzstation Wattenmeer
Ein Erlebnisbericht von Carina Wessels

Ein großes Fischernetz an einem Holzstiel in der Hand, in einer blauen Jacke gekleidet, einen Rucksack auf dem Rücken und barfuß auf dem Fahrrad Richtung Hochhaus/Deichkrone ist Florian Schleusener unterwegs.
Beim zweiten Blick können erwartungsvolle Menschen, zu denen auch ich gehöre, bei Ebbe auf dem Deich beim Hochhaus entdeckt werden. Freudig erwarten wir Florian. Er möchte uns das Krabbenfischen mit der Gliep in Büsum zeigen und erklären. Deshalb auch das Fischernetz an einem Holzstiel, es ist eine Gliep. Sie ist ein traditionelles Fischfangerät, mit dem die Menschen früher für den Eigenverbrauch und auch als Nebenverdienst Krabben gefischt haben.
Florians blaue Jacke gehört zu seiner Dienstkleidung von der Schutzstation Wattenmeer.
Die Naturschutzgesellschaft Schutzstation Wattenmeer e.V. wurde 1962 als privater und gemeinnütziger Naturschutzverein zum Schutz und Erhalt des einzigartigen Lebensraumes Wattenmeer gegründet. In 17 Zentren, die an der Westküste Schleswig-Holsteins von Friedrichskoog bis Sylt auf Inseln, Halligen und dem Festland eingerichtet wurden, verrichten 40 Zivildienstleistende, FÖJs und Praktikantinnen ihre vielfältigen Naturschutzarbeiten.
Zu den Zivildienstleistenden gehört auch Florian Schleusener.
Nachdem er die Sicherheitshinweise zum Watt gegeben hat, ist mir verständlich, warum er den Rucksack auf dem Rücken trägt. „In diesem befindet sich Verbandszeug, falls z.B. jemand auf eine Muschel tritt und blutet. Das kommt glücklicherweise nicht oft vor.“, so Florian. Zusammen gehen wir daraufhin ins Watt.
Muscheln gibt es in der Nordsee viele. Der Zivildienstleistende erläutert uns, welche Muschelarten in der Nordsee leben, wie z.B. die Miesmuscheln, Rote Bohnen, Herzmuscheln, Schwertmuscheln und Sandklaffmuscheln.
Auf dem Weg zum Meer erläutert der Schutzstation Wattenmeer - Beauftragte die Besonderheiten der Nordsee und geht individuell auf spontane Fragen zu Lebewesen und Watt in der Nordsee ein.
Zwischendurch ein verzweifelter Ruf vom kleinen Jonas: „Mich hat ein Hummer gebissen“, was für lautes Gelächter sorgt.
An der Wasserkante angekommen zeigt Florian Schleusener uns, wie Fischer vor 100 bis 200 Jahren die Krabben mit der Gliep gefischt haben. Fast bis zur Hüfte geht der Naturschützer in das Wasser rein und fischt mit der Gliep nach den Wassertieren der Nordsee.
„Der sorgt für unser Abendbrot“ tönt es aus den Reihen der Zuschauer. Und tatsächlich, sogar eine Scholle wird gefangen. „Die legen wir natürlich wieder rein“, so Florian, aber zuvor wird diese genau betrachtet, ebenso wie die gefischten Krebse. Uns wird erklärt, warum diese seitwärts laufen, nämlich deshalb, weil die Beine auf der Bauchseite so eng zusammen stehen, dass keine Bewegung nach vorne möglich ist. „Die Krebse würden über ihre eigenen Beine stolpern, es ist die einzige Bewegung, die möglich ist.“, erklärt uns Florian. Die Mutigen unter uns, zu denen ich in diesem Fall übrigens nicht gehöre, dürfen einen Krebs sogar einmal in die Hand nehmen.
Anders bei den Kompassquallen. „Die dürfen nur oben berührt werden, da tut es nicht weh.“, erklärt der Naturschützer.
Nordseegarnelen, auch Speisekrabben genannt, wurden ebenfalls gefangen. Die zehnfüßigen Tiere gehören zu den Langschwanzkrebsen. Die weiblichen, erwachsenen Krabben wandern von den Wattflächen in die Priele, um dort ihre Eier zu legen. Die jungen Garnelen wandern dann wieder auf die Wattflächen, weil das Wasser so flach ist, dass dort keine Feinde hinkommen. Zudem ist das Wasser wärmer, was das Wachstum der kleinen Tiere fördert.
Die Krabben, wie auch die anderen Lebewesen, werden wieder zurück ins Wasser geworfen. Sehr zu meinem Bedauern, einige der Tiere hatte ich gedanklich schon auf dem nächsten leckeren Büsumer Krabbenbrötchen gesehen. Den Blicken der anderen Gäste nach zu urteilen war ich mit diesem Gedanken nicht alleine.
Der Hummer, der Jonas gebissen hat wurde übrigens leider nicht gefangen.
Florian geht neben den Erläuterungen zu den Fischen, Krebsen und Krabben ebenso humorvoll wie auch informativ auf die Büsumer Geschichte zu Krabbenkutter und Krabbenfang ein.
Neugierig ergeben sich auch hier weitere Fragen, zu denen der Zivildienstleistende jederzeit eine passende Antwort parat hat.
Bei steigendem Wasser geht es, begleitet von einem wunderschönen Sonnenuntergang und weiteren Informationen zum Thema Wattenmeer, zurück ans Land. Zwar ohne ein gefischtes Abendessen, dafür mit vielen interessanten Informationen und unvergesslichen neuen Eindrücken.

Die nächsten Termine für das "Krabbenfischen mit der Gliep" finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.


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